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pax christi |
| v.l. Barbara Häußler, Sprecherin Pax Christi Bistumsstelle Würzburg, Christine Hoffmann, Pax Christi Deutschland |
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„Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen“ (Offb. 21,25) – Utopie oder erfüllbare Hoffnung für den Irak? So lautete das Thema eines von der katholischen Akademie Domschule und von Pax Christi, Würzburg, veranstalteten Vortrages am Mittwoch, dem 14. April 2010. Christine Hoffmann, Generalsekretärin der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi in Deutschland berichtete hier sehr persönlich und lebendig von einen Solidaritätsreise im vergangenen September in den Irak. Seit über 10 Jahren pflegt Pax Christi International Kontakte zu den christlichen Kirchen im Irak. Aus Sicherheitsgründen konnte die Reise, die im September 2009 stattfand, nur in den kurdischen Norden des Landes führen. Für Bagdad und weitere umkämpfte Gebiete hatte die international besetzte Delegation keine Visa erhalten. Selbst im Norden war die Delegation nicht ganz sicher. In der einen Woche Besuchszeit explodierten in zwei muslimischen Nachbardörfern der besuchten christlichen Gemeinden Autobomben und rissen etliche Menschen in den Tod. Die Delegation war von den christlichen Bischöfen im Irak eingeladen worden. Der Besuch sollte den christlichen Gemeinden vor Ort zeigen, dass sie nicht vergessen sind und zugleich Informationen darüber zu bekommen, auf welche Wiese ansatzhafte Friedensbemühungen vor Ort wirksamer unterstützt werden können. Christine Hoffmann sagte, sie habe sehr viel Überraschendes erfahren, gesehen und gehört. Mehrfach betonte sie, entgegen aller gegenteiliger Pressemitteilungen, empfänden die Menschen im Irak den dort herrschenden Krieg nicht als Religionskrieg. Es ginge hier um Macht und Öl. Bis zum Jahr 2003 hätten Sunniten und Schiiten einander sogar geheiratet. Hass und Terror würden vor allem vom Ausland z.B. dem benachbarten Iran eingeschleppt. Es gäbe Menschen und Länder, die ein Interesse an einer instabilen Lage im Irak hätten. Von der amerikanischen Präsenz sei im Norden des Landes kaum etwas zu spüren gewesen. Am bedrückendsten empfand Christine Hoffmann den Besuch in einem von Christen gebauten Flüchtlingslager, im dem Menschen in bitterster Armut leben. Bedrückend war auch zu sehen, dass christliche Kirchen durch Betonpfosten und Wachposten vor Anschlägen mit Autobomben gesichert werden,. Eine überraschende Erfahrung war, dass in christlichen Schulen Kinder aller Religionen zusammen lernen. Alle tragen westliche Kleidung. Manche Mädchen trugen Kopftücher, andere nicht. Auch die interessierten Zuhörer waren überrascht über die gezeigten Bilder- z.B. vom Neubau einer Kirche, dem Bild des Jugendchores, dessen Mitglieder alle westliche Kleidung tragen, aber auch von Bildern des Besuchs der Delegation beim „Ministerium für religiöse Angelegenheiten“, das über die Religionsfreiheit wacht und aufpasst, dass in muslimischen Moscheen kein Hass auf andere Religionen gepredigt wird. Besonders in Kirkuk werde der Dialog der Religionen groß geschrieben. So wurde die Delegation von hohen sunnitischen und schiitischen Geistlichen empfangen und besuchte ihrerseits Moscheen und Geistliche beider Richtungen des Islam. Diese muslimischen Geistlichen baten auch darum, zu einem Gegenbesuch in Europa eingeladen zu werden, um bei uns hier über ihre eigenen Erfahrungen und Überzeugungen und über die Lage in ihrem Land zu informieren. Den Vormittag des 15. April verbrachte Christine Hoffmann am Friedrich-List-Gymnasium Gemünden. Auch hier berichtete sie interessierten Schülerinnen und Schülern der Mittel- und Oberstufe von den Kontakten mit dem Irak. Ein weiterer Schritt der Kontakte zwischen Pax Christi und dem Irak wird wohl ein Gegenbesuch von Irakis sein, die seit Jahren den christlich-muslimischen Dialog pflegen. Dieser Dialog, von dem in Europa und in den USA kaum jemand weiß, ist keine Utopie, sondern Realität. Er ist der erste Schritt zu mehr und neuem Vertrauen und zum Frieden.
(Barbara Häußler, Sprecherin Pax Christi Bistumsstelle Würzburg) |