Pax Christi

Der pax christi-Gruppe Aschaffenburg hat eine Exkursion zur Frauenfriedenskirche in Frankfurt unternommen. 

Unzählige Kirchen hatte jede:r von uns in seinem/ihrem Leben wohl schon besichtigt - die „Frauenfriedenskirche“ in Frankfurt ist jedoch so etwas Besonderes, dass sich definitiv ein Ausflug lohnt. Wir lernten viel über die Entstehungszeit der Kirche in den Jahren des Ersten Weltkriegs und danach, konnten selbst die Wirkung von Architektur, Farb- und Lichtkonzepten erleben und darüber nachdenken, wie ein ehrender Gedenk-Ort für die Gefallenen des Krieges zugleich ein Mahnmal für den Frieden sein kann. Für die pax-christi-Gruppe Aschaffenburg war es zugleich die erste persönliche Begegnung seit über einem Jahr.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) wird als einschneidender „Zivilisationsbruch“ bezeichnet, der an der Front unglaubliche Grausamkeiten und massenhaftes Sterben bedeutete, aber auch die Menschen daheim traumatisierte und aufrüttelte. Hedwig Dransfeld, die damalige Vorsitzende des „Katholischen Frauenbundes Deutschlands“ (heute KDFB), propagierte schon ab 1916 die Idee einer Wallfahrtskirche, die dem Gedächtnis der „toten Helden“, aber auch dem „Erflehen des Friedens“ dienen könnte und die von den Frauen selbst errichtet werden sollte. Die Idee wurde von den katholischen Bischöfen wohlwollend aufgenommen und mit dem Anliegen verbunden, für die wachsende, aber arme katholische Arbeitergemeinde am boomenden Industrie-Standort Bockenheim eine Pfarrkirche zu schaffen - wie man sich vorstellen kann, eine Kombination mit vorprogrammierten Interessen- und Kompetenzkonflikten. Dazu kamen ja weitere Kriegsjahre, die Umwälzungen des Jahres 1918, Rezession und Inflation - die „kleinen Scherflein“ vieler Frauen, die etwas für die neue Frauenfriedenskirche gespendet hatten, waren erst einmal verloren. Trotz alledem - 1929 konnte die Frauenfriedenskirche geweiht werden. Den Entwurf dafür hatte der Architekt Hans Herkommer erarbeitet; er spiegelt die Neuorientierung des Kirchenbaus, überhaupt aber im Verständnis von Liturgie und Gemeinde in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die „Liturgische Bewegung“ (u.a. auf Burg Rothenfels aktiv) hatte die aktive Beteiligung der Gemeinde gefordert und damit experimentiert. Zugleich sollte sich in der Eucharistiefeier wieder alles auf Christus konzentrieren. Die monumentale Frauenfriedenskirche - Platz für 750 Gläubige, eine Taufkapelle und eine Krypta als Gedenkort, dazu ein Arkaden-Hof mit 1200 Rosenstöcken und Gedenkinschriften für gefallene und vermisste Angehörige, Pfarrhaus und Pfarrheim... -spiegelt diesen kirchlichen Zeitgeist, aber auch die neuen Ideen in Architektur und Kunst: Klare Linien, bewusste Lichtführung durch Fenster und Lampen, sparsame, aber kräftige Farben in Rot-, Blau- und Grüntönen, Mosaikbilder im Altarraum.

Wie spannend sich die Suche nach Spuren dieser ursprünglichen Konzeption gestaltete, als die Frauenfriedenskirche seit 2015 Schritt für Schritt „statisch ertüchtigt“ und saniert werden musste, erzählte unsere Führerin Kerstin Stoffels sachkundig, lebendig und voller Begeisterung. Als Mitglied des „Freundeskreises Frauenfrieden“ war sie bei den Überlegungen, aber auch bei allen praktischen Renovierungsschritten dabei. Neben alten Rechnungen wurden Farbreste hinter Steckdosen, hinter dem alten Schriftenstand und sogar ein eingetrockneter Farbtopf hinter einem der Seitenaltäre gefunden und analysiert. Das große Front-Mosaik, das den auferstandenen Christus umgeben von heiligen Frauen aller Jahrhunderte und Stände zeigt, wurde gereinigt und wirkt auf einem Hintergrund in gedecktem Blau nun ganz anders. Eine besondere, braunrote Farbe mit dem Namen „caput mortuum“ - „Totenkopf“ - fand in der Krypta Verwendung, als Hintergrund für die Pietà der Bildhauerin Ruth Schaumann, die im Ersten Weltkrieg selbst ihren Vater verlor.

Neben der Wiederherstellung des ursprünglichen Eindrucks kam in die Frauenfriedenskirche als neues Element eine Altarinsel mit Ambo und Altartisch von Tobias Kammerer. Neben so viel Leid und Tod, das in dieser Kirche thematisiert wird, gibt nun das (halbierte) Ei als Lebenssymbol dem Altar seine Form. Im November 2020 konnte dieser neue Altar geweiht und die renovierte Kirche wieder geöffnet werden - für Wallfahrten und Gottesdienste, aber auch für Besuche von Gruppen und einzelnen Menschen.

Uns beschäftigte nach dem Besuch in der Frauenfriedenskirche so manche Fragen: Können wir das „Heldengedenken“ der Frauen damals als Versuch verstehen, dem Tod ihrer Väter, Söhne, Männer und Verlobten irgendwie einen Sinn zu verleihen? Kann Trauerarbeit zugleich Friedensarbeit sein? Und müssen wir Frieden nicht umfassend, für die ganze Welt denken - nicht nur für unser Land?
Die traditionsreiche, neue Frauenfriedenskirche in Frankfurt ist ein Ort, der solche Fragen thematisiert und Raum gibt, sie zu bedenken und weiter zu denken. Die Rosen in Frauenfrieden werden im Frühjahr wieder blühen!

Kirchenführung: Kerstin Stoffels - Adresse: Frauenfriedenskirche, Pfarrei St. Marien in Frankfurt am Main, Zeppelinallee 101, 60487 Frankfurt am Main

Bericht: Ursula Silber

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