Pax Christi

Der Gebrauch von Atomwaffen ist unmoralisch – Am 16. März 2019 fand in Würzburg die Diözesanversammlung von pax christi im Bistum Würzburg statt. Vor der Versammlung beschäftigten sich die Delegierten in einem Workshop mit Handlungsmöglichkeiten, wie man gewaltfrei auf menschenfeindliche und rassistische Parolen reagieren kann. Die Leitung des Workshops hatte Christine Böckmann, pax christi-Mitglied aus Magdeburg, Diplom-Theologin und Trainerin für gewaltfreie Konfliktaustragung.Neben den Wahlen, bei denen Martina Reinwald (Zell am Main) für weitere drei Jahre als Diözesanvorsitzende und Dr. Stefan Silber (Sailauf) ebenfalls für drei Jahres als Mitglied im Diözesanvorstand bestätigt wurden gab es Berichte und Austausch zu aktuellen Themen und Planungen.Eines der Anliegen der Versammlung war das Thema Atomwaffen. Die Delegierten wollen aus der Diözesanversammlung heraus die vor kurzem eingegangene Nachricht aus Italien von einem Treffen pax christi Italien mit Papst Franziskus einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen; ergänzt wird dies durch eine Positionierung des pax christi-Präsidenten Deutschlands, Bischof em. Heinz Josef Algermissen.

Am 16. März 2019 fand in Würzburg die Diözesanversammlung von pax christi im Bistum Würzburg statt. Vor der Versammlung beschäftigten sich die Delegierten in einem Workshop mit Handlungsmöglichkeiten, wie man gewaltfrei auf menschenfeindliche und rassistische Parolen reagieren kann. Die Leitung des Workshops hatte Christine Böckmann, pax christi-Mitglied aus Magdeburg, Diplom-Theologin und Trainerin für gewaltfreie Konfliktaustragung.

Neben den Wahlen, bei denen Martina Reinwald (Zell am Main) für weitere drei Jahre als Diözesanvorsitzende und Dr. Stefan Silber (Sailauf) ebenfalls für drei Jahres als Mitglied im Diözesanvorstand bestätigt wurden gab es Berichte und Austausch zu aktuellen Themen und Planungen.

Eines der Anliegen der Versammlung war das Thema Atomwaffen. Die Delegierten wollen aus der Diözesanversammlung heraus die vor kurzem eingegangene Nachricht aus Italien von einem Treffen pax christi Italien mit Papst Franziskus einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen; ergänzt wird dies durch eine Positionierung des pax christi-Präsidenten Deutschlands, Bischof em. Heinz Josef Algermissen. 

Der Gebrauch und das Lagern von Atomwaffen ist unmoralisch

Der Vorstand von pax christi in der Diözese Würzburg sieht mit sehr großer Sorge die Aufkündigung des INF-Vertrages durch die Präsidenten der USA und Russlands und verweist auf die Grundsätze der katholischen Friedenslehre.

Auch Papst Franziskus hat in diesen Tagen erneut bei verschiedenen Gelegenheiten die katholische Friedenslehre als Maßstab für eine gute Politik darlegt.

Eine dieser Gelegenheiten war die Privataudienz von pax christi Italien bei Papst Franziskus. In einer Mail an den Bistumsvorstand schildert Bischof em. Luigi Bettazzi (einer der letzten noch lebenden Konzilsväter und ehemaliger Präsident von pax christi International), seine Eindrücke von dieser Audienz*:

Wohl die wichtigste Passage ist, dass Papst Franziskus den Besitz und den Einsatz von Atomwaffen als „unmoralisch“ kennzeichnet. Bettazzi schreibt: „ Bezüglich der Frage der Atomwaffen, erinnerte der Papst an die Ansprache, die er einige Tage vorher vor dem diplomatischen Korps gehalten hatte. Er habe hier festgestellt, dass der Einsatz von Atomwaffen moralisch nicht zu rechtfertigen ist. Folglich ist auch der Besitz von Atomwaffen unmoralisch.“ Damit stehe der Papst voll auf der Linie des Zweiten Vatikanischen Konzils, das in der dogmatischen Konstitution „Gaudium et Spes“ (80) einen Krieg, der vor allem die Zivilbevölkerung trifft, scharf verurteilt.

Der Präsident von pax christi Deutschland, Bischof em. Heinz Josef Algermissen schreibt zum Thema**:

„Der Präsident der USA und daraufhin auch der Präsident Russlands haben den bisher einzigen Vertrag gekündigt, der seit 1987 zu einer wirklichen Abrüstung von landgestützten Atomraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 km und deren Vernichtung geführt hatte. Diese Aufkündigung des INF-Vertrages bricht mit einer bewährten Rüstungskontrolle. Damit setzen die Kontrahenten Trump und Putin die Welt und insbesondere Europa einem unverantwortlichen Risiko aus. Das könnte der Auftakt zur Rückkehr zum „Gleichgewicht des Schreckens“ und zu einem unkontrollierten irrsinnigen Wettrüsten sein. „Während man riesige Summen für die Herstellung tödlicher Waffen ausgibt, kann man nicht genügend Hilfsmittel bereitstellen zur Bekämpfung all des Elends in der heutigen Welt“ (2. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution, Nr. 81). …..“ Algermissen fordert die Bundesregierung auf, neu zu verhandeln und den 2017 von der UNO beschlossenen Atomwaffenverbotsertrag zu unterschreiben. Algermissen formuliert: „So wird es Zeit, dass der von der UN-Vollversammlung 2017 verabschiedete, vom Vatikan unterstützte Atomwaffenverbotsvertrag auch von Deutschland ratifiziert wird. Wenn der Verbotsvertrag indes auch keinen einzigen Atomsprengkopf abschaffen wird, stellt er doch unmissverständlich fest, dass der Besitz von Atomwaffen mit dem Völkerrecht nicht vereinbar ist. Er erhöht damit den rechtlichen und moralischen Druck auf die neun Atomwaffenstaaten, den Rest der Welt nicht länger in atomare Geiselhaft zu nehmen. Wie effektiv solche Maßnahmen sein können, hat man bei der Ächtung von Streubomben sehen können. Am Ende waren es die Rüstungsfirmen, die die Produktion der international stigmatisierten Waffensysteme einstellten. Nationale und globale Sicherheit lässt sich nicht durch Atomwaffen schaffen, sondern nur durch deren Abschaffung. Solange ein einzelner Mensch in der Lage ist, die Menschheit durch einen Knopfdruck auszulöschen, leben wir auf einem Pulverfass.

So fordere ich die verantwortlichen Politiker in Deutschland auf, wenigstens den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland zu beschließen und dem Vertrag für ein Atomwaffenverbot beizutreten. Pax christi wird sich als katholische Friedensbewegung zugunsten der Menschen weiterhin gegen alle Gleichgültigkeit für die Durchsetzung des Verbotes und die Vernichtung der Atomwaffen einsetzen.“ (Volltext s.u.)

Martina Reinwald (Diözesanvorsitzende) und Barbara Häußler (Mitglied im Vorstand von pax christi Würzburg)

* Volltext der Mail von Bischof em. Luigi Bettazzi:

„ Am Samstag, den 12 Januar empfing Papst Franziskus vormittags bei einer Audienz den Nationalrat von pax christi Italien. Vor über zwei Jahren hatte der damalige Consiglio Nazionale“ diese Audienz beantragt. Der jetzige, neu gewählte Nationalrat verfolgte diesen Antrag und erweiterte ihn dahingehend, dass auch ich anwesend sein konnte. Denn 1968, vor 50 Jahren, war ich nach der Neugründung von pax christi Italien, Präsident dieser Sektion der internationalen Friedensbewegung.

Das Treffen mit Papst Franziskus war informell, ohne offizielle Reden. Der Papst beantwortete Fragen der Mitglieder des „Consiglio nazionale“. Und die beiden Bischöfe (der derzeitige und der frühere Präsident) machten einige Anmerkungen.

Bei dem Gespräch ging es zunächst um Abrüstung. Sie ist die Bedingung für einen Weg hin zum Frieden. Waffenproduktion und Waffenexport sind auch deswegen so umfangreich, weil sie Produzenten und Politikern hohe Gewinne bringen. Doch führen Waffenproduktion und Waffenhandel unweigerlich zu Kriegen. Denn Waffen müssen ja verbraucht werden und ständig perfektioniert werden. Bezüglich der Frage der Atomwaffen, erinnerte der Papst an die Ansprache, die er einige Tage vorher vor dem diplomatischen Korps gehalten hatte. Er habe hier festgestellt, dass der Einsatz von Atomwaffen moralisch nicht zu rechtfertigen ist. Folglich ist auch der Besitz von Atomwaffen unmoralisch.

Hier konnte ich dann anmerken, dass das Zweite Vatikanische Konzil nur eine einzige Verurteilung ausgesprochen hat: In Gaudium et Spes Nr. 80 verurteilt das Zweite Vatikanische Konzil den Totalen Krieg“ - in der Diktion von damals nannte man so einen Krieg, von dem vor allem die Zivilbevölkerung betroffen ist. (Damals bezeichneten wir die hier gebrauchten Waffen mit den ersten Buchstaben des Alphabets - ABC: Atom- , biologische und chemische Waffen.)

Ein weiteres Thema war die Erziehung zum Frieden. Diese beginnt bereits im Kleinkindalter in den Familien und Schulen. Die Erziehung zum Frieden sei besonders wichtig, in einer Zeit, in überwiegend die Idee vertreten wird, Gewaltanwendung garantiere die Vorherrschaft – innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie in den internationalen Beziehungen.

Gesprochen wurde auch von Politik, und zwar von der „guten Politik“, deren Mittel die Mediation ist. (der Papst sprach hier von „Kompromissen“- und legte dar, dass auf Spanisch Kompromiss auch Engagement und Übereinkunft bedeutet; tatsächlich heißt „Kompromiss“ auch Verlobung. Gute Politik engagiert sich zutiefst, um Spannungen und Konflikte zu lösen, ohne Gewalt anzuwenden.

Ich persönlich habe dem Papst erzählt, dass ich als Präsident von pax christi International versucht habe, in Buenos Aires während der Diktatur ein „Vikariat der Solidarität“ zur Verteidigung der Menschenrechte einzurichten. (Dieses hatte es auch in Chile, in dem nahe gelegenen Santiago gegeben). Doch das sei damals am Widerstand der Bischöfe gescheitert. (Papst Franziskus war zu dieser Zeit noch nicht Bischof gewesen).

Für pax christi Italien war das ein großer Tag. Denn, im Einklang mit dem Papst fühlt es sich nun ermutigt, die gemeinsame Linie fortzusetzen. Der erzbischöfliche Präsident von pax christi Italien bat den Papst erneut, er möge eine Enzyklika zum Thema „Frieden“ veröffentlichen.

Auch mich es tief angerührt, den Papst auf so vertrauliche familiäre Weise treffen zu können, auf gleicher Augenhöhe freundschaftlich mit ihm sprechen zu können. Es hat mich berührt, ihm bei dieser Gelegenheit zu sagen, wie sehr wir ihn mögen und dass wir viel für ihn beten.

 

Bischof Luigi Bettazzi (Übersetzung: Barbara Häußler pax christi Würzburg)

 

 

** Text der Presseerklärung von Bischof Heinz-Josef Algermissen

NF Vertrag neu verhandeln - und alle Atomwaffen abschaffen

Erklärung des pax christi-Präsidenten Bischof em. Heinz Josef Algermissen, Fulda, anlässlich der Aufkündigung des INF-Vertrags durch die USA und Russland

Der Präsident der USA und daraufhin auch der Präsident Russlands haben den bisher einzigen Vertrag gekündigt, der seit 1987 zu einer wirklichen Abrüstung von landgestützten Atomraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 km und deren Vernichtung geführt hatte. Diese Aufkündigung des INF-Vertrages bricht mit einer bewährten Rüstungskontrolle. Damit setzen die Kontrahenten Trump und Putin die Welt und insbesondere Europa einem unverantwortlichen Risiko aus. Das könnte der Auftakt zur Rückkehr

zum „Gleichgewicht des Schreckens“ und zu einem unkontrollierten irrsinnigen Wettrüsten sein. „Während man riesige Summen für die Herstellung tödlicher Waffen ausgibt, kann man nicht genügend Hilfsmittel bereitstellen zur Bekämpfung all des Elends in der heutigen Welt“ (2. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution, Nr. 81).

Die USA und Russland schaffen so die Möglichkeit, ungehindert neue Mittelstreckenraketen zu bauen und in Europa zu stationieren. Die Pläne dafür liegen offensichtlich schon in den Schubladen.

Die Länder der Europäischen Gemeinschaft müssen verhindern, in einen neuen Kalten Krieg hineingezogen zu werden. Ein eindeutiges Nein zur erneuten Stationierung von Mittelstreckenraketen ist jetzt notwendig. Alle Versuche müssen unternommen werden, neu zu verhandeln und auch China mit einzubeziehen.

Vor einer Generation gingen Menschen aus Angst vor einem Atomkrieg zu Tausenden auf die Straße, um die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa zu verhindern - auch um der folgenden Generationen willen. Jetzt ist die Angst wieder da. Ein Pfeiler der bisherigen europäischen Sicherheitsarchitektur, wie wir sie in den letzten 30 Jahren kannten, wird zerstört.

Papst Franziskus mahnt in seiner Botschaft zum 52. Weltfriedenstag am 1. Januar 2019:

„Wir wissen, dass ein Machtstreben um jeden Preis zu Missbrauch und Ungerechtigkeit führt. Die Politik ist ein grundlegendes Mittel, um ein Gemeinwesen aufzubauen und das Tun des Menschen zu fördern; aber, wenn sie von den Verantwortlichen nicht als Dienst an der menschlichen Gemeinschaft verstanden wird, kann sie zu einem Instrument der Unterdrückung und Ausgrenzung, ja sogar der Zerstörung werden.“ Weiter äußert er die Überzeugung: „Gute Politik steht im Dienste des Friedens; sie achtet und fördert die grundlegenden Menschenrechte, die ebenso gegenseitige Pflichten sind, damit ein Band des Vertrauens… zwischen gegenwärtigen und kommenden Generationen geknüpft werden kann.“

Die Kündigung des INF-Vertrages bedeutet zudem einen schweren Rückschlag für den Atomwaffensperrvertrag. Dieser Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen verpflichtet seit 50 Jahren die wichtigsten Atomwaffenstaaten zu Verhandlungen über allgemeine und vollständige Abrüstung von Kernwaffen unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle. Der Atomwaffensperrvertrag steckt schon länger in einer tiefen Krise, da die in dem 1968 aufgelegten internationalen Vertrag geforderten Abrüstungsverhandlungen durch die offiziellen Atommächte schlichtweg nicht realisiert werden. Jetzt kommt nach der einseitigen Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran im letzten Jahr noch die Kündigung des INF- Vertrages hinzu.

So wird es Zeit, dass der von der UN-Vollversammlung 2017 verabschiedete, vom Vatikan unterstützte Atomwaffenverbotsvertrag auch von Deutschland ratifiziert wird. Wenn der Verbotsvertrag indes auch keinen einzigen Atomsprengkopf abschaffen wird, stellt er doch unmissverständlich fest, dass der Besitz von Atomwaffen mit dem Völkerrecht nicht vereinbar ist. Er erhöht damit den rechtlichen und moralischen Druck auf die neun Atomwaffenstaaten, den Rest der Welt nicht länger in atomare Geiselhaft zu nehmen. Wie effektiv solche Maßnahmen sein können, hat man bei der Ächtung von Streubomben sehen können. Am Ende waren es die Rüstungsfirmen, die die Produktion der international stigmatisierten Waffensysteme einstellten. Nationale und globale Sicherheit lässt sich nicht durch Atomwaffen schaffen, sondern nur durch deren Abschaffung. Solange ein einzelner Mensch in der Lage ist, die Menschheit durch einen Knopfdruck auszulöschen, leben wir auf einem Pulverfass.

So fordere ich die verantwortlichen Politiker in Deutschland auf, wenigstens den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland zu beschließen und dem Vertrag für ein Atomwaffenverbot beizutreten. Pax christi wird sich als katholische Friedensbewegung zugunsten der Menschen weiterhin gegen alle Gleichgültigkeit für die Durchsetzung des Verbotes und die Vernichtung der Atomwaffen einsetzen.

Berlin/ Fulda, den 6. Februar 2019

Heinz-Josef Algermissen

Präsident von pax christi Deutschland Bischof em. von Fulda

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