Pax Christi
Pilger und Begegnungsreise zum Monte Sole bei Bologna – Ein gutes Dutzend Interessierte fuhren in der Pfingstwoche auf Einladung des Referates Geistliches Leben im Bistum Würzburg und des Diözesanverbandes von pax christi Würzburg zum Monte Sole bei Bologna. Die wenigsten Deutschen wissen, welch schreckliche Massaker Ende 1944 von deutscher Waffen-SS unterstützt von italienischen Faschisten entlang des Apennin verübt wurden.

Wer sich auf die Fahrt zum Monte Sole einließ wurde konfrontiert mit unbeschreiblichen Grausamkeiten, mit Verdrängung und mit der Frage, wie in der heutigen Zeit neuer Nationalismen in Italien und Deutschland mit dieser Geschichte umgegangen werden soll. Zwischen dem 29. September und dem 2. Oktober 1944 wurden am Monte Sole fast 800 Zivilisten systematisch  und brutal in Häusern, Kirchen, auf einem Friedhof und am Rande eines Wehrs ermordet - vor allem Kinder (das jüngste war 14 Tage alt), Frauen, alte Männer, darunter 5 Priester und 2 Ordensfrauen. Zeitzeugin Annarosa Nanetti erzählte vom Schicksal einiger dieser Kinder, vom Mut der Frauen, vom Herannahen der Alliierten und vom schwierigen Leben nach dem Krieg und mit dem Erlebten. Fast 40 Jahre wurden die Geschehnisse am Monte Sole verschwiegen. Gerichtliche Ermittlungen gegen die Täter fanden kaum statt, weil 1960 die entsprechenden Akten in einem Schrank, der mit der Tür zur Wand gestellt wurde, "Vorläufig archiviert" wurden. Lucciano Gherardi, ein Freund der ermordeten Priester setzte sich nach 30 Jahren für eine Öffnung der Sperrzone und die Einrichtung eines Gedenkparks ein. 1992 siedelten sich auf dem Berg 2 Dossettianer Klöster an, eine Art Jugendherberge wurde eröffnet und Anfang 2002 eine Friedensschule.
In berührenden Gesprächen und Begegnungen informierten sich die Teilnehmenden der Pilgerfahrt bei den Menschen, die heute auf dem Monte Sole leben, über das Geschehene. Bei Morgen- und Abendgebet war Raum, das Erlebte im Licht des Glaubens zu betrachten. In der Kirche der Dossettianerinnen feierten sie zwei Messen - eine davon mit den Mitgliedern von pax christi Bologna (Hauptzelebrant war Bischof em. Luigi Bettazzi, ehemaliger Konzilsvater, der mit zwei der ermordeten Priestern im Priesterseminar gewesen war). Am letzten Tag der Reise luden die italienischen pax christi Mitglieder zu einer Liturgie der Fußwaschung ein. Die Teilnehmenden stellten sich damit in die Nachfolge Jesu, der seinen Jüngern aufgetragen hat, einander die Füße zu waschen zu seinem Gedächtnis. Dabei wurde klar, dass eine Politik die eine Über- und Unterlegenheit in den Mittelpunkt stellt, bis hin zur Ermordung Wehrloser, der Botschaft Jesu diametral entgegengesetzt ist. Die Teilnehmenden verpflichteten sich, angesichts der gegenwärtigen politischen Situation, auch gegen Widerstand den Weg Jesu zu gehen. Am Ende der Begegnung wurde die deutsch-italienische Gruppe von Erzbischof Matteo Zuppi empfangen. Von deutscher Seite erhielten er und die Bologneser Gruppe das Hungertuch von Perez Esquivel, denn es zeigt, dass es eine Solidarität nicht nur mit den Lebenden gibt, sondern auch mit den Märtyrern, deren Anliegen durch die Zeit weiter getragen werden soll. Erzbischof Zuppi ermutigte die Anwesenden, sich für ein Europa einzusetzen "wie wir es uns wünschen".
Die Fahrt wurde geleitet von Hermann Simon, Pastoralreferent im Referat Geistliches Leben der Diözese Würzburg und Barbara Häußler, Mitglied im Diözesanvorstand pax christi Würzburg.

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