Pax Christi
pax christi – Partnerorganisation „Mirna Luka“ organisierte Verteilung von 2700 Paketen – Über 20 Jahre sind die Balkankriege vorbei - doch sie zeigen schreckliche Auswirkungen bis heute. Groß ist die menschliche und materielle Not besonders in der Hauptstadt der Republika Srpska. Zwei Drittel der Stadtbewohner sind aus anderen Gebieten der ehemaligen Balkanstaaten vertriebene Serben. Die meisten von ihnen haben bis heute keine Arbeit gefunden – wie Menschen der Minderheiten der Muslime und Katholiken.

Hier sind nur rund 10% der ursprünglichen Bevölkerung in der Stadt geblieben. Die Familienangehörigen sind in alle Welt verstreut. Der Krieg hat familiäre Beziehungen und Arbeitsplätze zerstört. Jahr für Jahr kämpfen Menschen ums nackte Überleben.Alte Menschen und kinderreiche Familien, sowie Alleinerziehende und Behinderte Menschen trifft die wirtschaftliche und menschliche Not am härtesten. Spannungen unter den Flüchtlingen und verbliebenen Einheimischen sind vorprogrammiert.

Ein Lichtblick sind Menschen, die Frieden schaffen, Begegnung ermöglichen, Not lindern: seit 20 Jahren arbeitet vor Ort die Organisation „Mirna Luka“ (Friedlicher-Hafen) – Partnerorganisation von pax Christi in den Diözesen Würzburg, Eichstätt und Bamberg. Mirna Luka unterhält einen Treffpunkt für Alle, macht Sozial- und Rechtsberatung und Streitschlichterprogramme an Schulen. Über pax christi erfuhren die Johanniter von dem Leid vor Ort. Seit nunmehr 6 Jahren fahren die Weihnachtstrucker die Stadt an. Seither pflegt Mirna Luka ein Netzwerk von Organisationen der 3 Religionsgruppen sowie von anderen Wohlfahrtsorganisationen. Mirna Luka achtet streng darauf, das arme Menschen aller Religionsgruppen die wertvollen Pakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln erhalten. Alle Organisationen führen Listen, damit bedürftige Menschen nur jeweils ein Paket erhalten. In diesem Jahr waren dies: von katholischer Seite die Schwestern der Mutter Theresa und die Schwestern vom Heiligen Blut (über sie lief die Verteilung an die Pfarreien in Banja Luka), die Merhammed Suppenküche (Muslimisch), die Kolopske Sestre Sestara (orthodox), Mirna Luka selbst, PONOS (Alleinerziehende), PARTNER (Behindertenorganisation), 4 + (Verein kinderreicher Familien) und Mozaik (Suppenküche für Wochenenden).

Wie in den vergangenen Jahren, waren auch in diesem Jahr pax christi Mitglieder aus Würzburg vor Ort. Sie brachten für Mirna Luka Kleiderspenden sowie eine Geldspende in Höhe von 1300 Euro zur Finanzierung der laufenden Kosten mit.
Ajsa Babacic, die Leiterin von Mirna Luka nennt die Lebensmittelpakete „Survival Kits“. Sie sagt, über die Organisation der Paketverteilung seien seien sehr gute zwischenmenschliche Beziehungen entstanden. Sie als Muslima werde z.B. jetzt wie eine Freundin von Angehörigen der serbisch-orthodoxen Kirche mit einem Wangenkuss begrüßt. Am orthodoxen Weihnachtsfest ist sie bei den Serbischen Schwestern eingeladen. Als Gastgeschenk wird sie ein Bild mitbringen, auf dem Angehörige von pax christi zu sehen sind, die ein Modell der orthodoxen Kathedrale in Händen halten - ein Geschenk, das 2015 eine pax christi Delegation aus Deutschland als Dank für die Hilfe der Weihnachtstrucker erhalten hatte. Deutsche hatten im 2. Weltkrieg diese Kathedrale zerbombt. Für Mitglieder der orthodoxen Kirche vor Ort ist dies Vergangenheit. Was heute zählt ist, gemeinsam mit allen Menschen guten Willens die größte Not zu bekämpfen. Damit stehen die Organisationen, die Weihnachtspakete erhalten haben, im Widerspruch zur offiziellen Politik, die auf Nationalistische Gefühle setzt. Sie zeigen bei jedem Treffen und durch ihr gemeinsames Handeln, dass Frieden möglich ist.

(Barbara Häußler)

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