Pax Christi

„Dem Mythos von der Erlösung durch Gewalt begegnen wir, indem wir die aktive Gewaltfreiheit als dritten Weg stark machen,“ erläutert Dr. Gudula Frieling, die pax christi-Projektreferentin und betont: „Wer sich auf diesen Weg begibt, beantwortet Gewalt weder mit Gewalt noch lässt sie die Opfer im Stich. Vielmehr verbündet sie sich mit ihnen und führt situationsadäquate Strategien und Methoden ein, die die Gewalt stoppen und so andere Konfliktlösungsmöglichkeiten in den Horizont der Beteiligten treten lassen.“

„Gerade jetzt, wo die Fratze des Krieges, uns so nahe gerückt ist und es Putin gelungen ist, der Ukraine und Europa die Kriegslogik, d.h. einen verlustreichen Verteidigungskrieg und eine milliardenschwere Aufrüstung aufzuzwingen, geht es uns darum, über die Macht der Gewaltfreiheit zu sprechen und aufzuzeigen, wie sie Menschen in den Stand setzt, die Spirale der Gewalt auch in Situationen von Krieg und Bürgerkrieg aufzuhalten, anstatt sie, wenn auch wider Willen, weiter voranzutreiben,“ erklärt Stefanie Wahl, pax christi-Bundessvorsitzende und betont: „Menschen können sich aus pragmatischen, aus religiöser oder philosophischer Überzeugung für diesen Weg der Gewaltfreiheit entscheiden, weshalb es sehr wichtig ist, dass der Staat seinen Bürger*innen in jeder Situation ihr Recht auf Kriegsdienstverweigerung zusichert.“

Auf der neuen Website wird kurz und leicht verständlich erklärt, was mit aktiver Gewaltfreiheit gemeint ist. Außerdem präsentiert pax christi dort Menschen, die sich inmitten eines gewalttätigen Umfeldes für den Weg der Gewaltfreiheit entschieden haben und auf diese Weise eine Eigendynamik der Gewaltfreiheit initiiert haben. Berichtet wird, wie es gelungen ist, dass unbewaffnete Zivilist*innen gemeinsam mit den Geflüchteten inmitten eines Flüchtlingslagers, in dem Korruption und Gewalt um sich griffen, die Eskalation der Gewalt stoppten und die Flüchtlinge auf sicheren Fluchtrouten nach Europa entkommen konnten. Ein anderes Beispiel zeigt, wie reagiert wurde, als sich Hass, Gewalt und Rache zwischen verschiedenen Communities so auftürmten, dass derjenige, der Menschen der konkurrierenden Gemeinschaft auf offener Straße erschossen hat, als Held gefeiert wurde.

Mit dem Projekt Aktiv Gewaltfrei greift pax christi in Deutschland die „Catholic Non-Violence Initiative“ des internationalen pax christi-Netzwerks Pax Christi international auf, für das Papst Franziskus schon 2017 eintrat, als er die Politiker:innen in aller Welt dazu aufforderte, Gewaltfreiheit als Politikstil für den Frieden zu kultivieren. In vielen Ländern, vor allem des globalen Südens, breitet sich inzwischen die Überzeugung aus, dass aktive Gewaltfreiheit sowohl dazu dient, gerechte Strukturen aufzubauen als auch die Bevölkerung zu selbstbestimmtem Handeln etwa gegenüber autoritären Regimen zu ermutigen. Durch groß angelegten Massenprotest oder durch das Verweigern der Zusammenarbeit können Veränderungen auch in überschaubaren Zeiträumen herbeigeführt werden. Im Gegensatz zu militärischem Widerstand fördert der zivile Widerstand den Aufbau stabiler Demokratien – ein weiterer Pluspunkt!

Die neue Webseite aktivgewaltfrei.de ergänzt die vielfältigen Informationen über die pax christi-Arbeit, die auch weiterhin aktuell auf paxchristi.de angeboten werden. Sie dient als Vernetzungsstelle für Interessierte, die nach Wegen zur Reduzierung von Gewalt suchen. Zurzeit werden Aktivitäten vorbereitet, die am 2. Oktober, dem Geburtstag Mahatma Gandhis und zugleich dem Internationalen Tag der Gewaltfreiheit starten und Teil des weltweiten Dialogs über Gewaltfreiheit sind.

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